In meinen Fotokursen werde ich von Teilnehmerinnen immer mal wieder gerne mit altbekannten Fotoweisheiten konfrontiert, die schon deren Eltern manchmal sogar von den Großeltern übernommen haben.

Offen gesagt bin auch ich ein Fan von alten Weisheiten, haben/hatten unsere Großeltern mit vielem wirklich doch meistens nicht unrecht.

„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“

Viele Weisheiten sind auch heute noch fast bedingungslos anwendbar. Zum Beispiel kann man sich mit eigener Unpünktlichkeit, insbesondere wenn man hierzu notorisch veranlagt sein sollte, auch schnell einmal eine gute Freundschaft zerstören.

Beruflich ist Unpünktlichkeit ein absolutes NoGo, gerade wenn man mit Topkunden wie ALDI, LIDL, Rossmann und so zusammenarbeitet. Nur lächerliche 2 Minütchen zu spät kann es passieren, dass man umsonst durch die halbe Republik gereist ist. Und auf einen neuen Termin hoffen darf, mit Pech mehrere Jahre. Oder man ist gleich endgültig raus. Zum Glück ist mir bislang so etwas noch nicht passiert.

Nun, genug abgeschweift …

 

Was ist jetzt mit Fotoweisheiten?

Sind diese im heutigen Zeitalter der digitalen Fotografie noch bedingungslos anwendbar?

 

Wenn die Sonne lacht, nimm Blende acht

Diese Fotoweisheit stammt aus einer Zeit der Analogfotografie, als noch nicht so kurze Belichtungszeiten wie heutzutage möglich waren. Damals musste man abblenden um kein überbelichtetes Bild zu erhalten.

Die meisten modernen Digitalkameras können jedoch mit 1/4000 Sek. belichten, teilweise sogar noch kürzer.

Selbst bei strahlendem Sonnenschein kann man dadurch nahezu immer sogar mit sehr weit geöffneter Blende fotografieren. Abgestimmt auf die bestmögliche Abbildungsschärfe des Objektives und die gewünschte Schärfentiefe. Hierbei muss aber natürlich auch berücksichtigt werden, dass die meisten Zoom-Objektive die beste Abbildungsleistung tatsächlich zwischen Blende 8 und 11 haben.

Eine der Fotoweisheiten, die in der heutigen Digitalfotografie eigentlich nur bei Gebrauch von lichtstarken Festbrennweiten Kokolores sind!

 

Aufgeräumt mit Fotoweisheiten. Fotokurse bei Frau Pudelwohl in Hamburg. Breakdancer auf dem Winterdom

EXIFS: 50 mm | f 4,0 | 1/50 Sek. | ISO 100

Bei Nacht nimm Blende acht

Auch so ein Relikt aus der frühen Analogfotografie. Allerdings heutzutage teilweise sogar noch anwendbar, haben doch die meisten Zoom-Objektive je nach Hersteller zwischen Blende 8 und 11 die beste Abbildungsleistung.

Anfänger machen bei Nachtfotografie mit Blende 8 i.d.R. auch nicht viel falsch, weil oftmals durch diese Blendenvorwahl auch die Schärfentiefe motiv- und abstandsbedingt am Besten passt.

Mein Objektiv-Liebling, das Nifty-Fifty (Canon Festbrennweite 50 mm, f. 1.8, ca. € 120,00) hat hingegen die beste Abbildungsleistung zwischen Blende 4 und 5,6. Bei Blende 8 sinkt diese bereits wieder sichtbar. Ähnliches gilt auch für die meisten lichtstarken Festbrennweiten am Markt. Warum also sollte ich mit diesem oder ähnlichen Objektiven mit Blende 8 fotografieren, wenn ich jetzt z.B. nicht unbedingt das Wasser der Elbe unnatürlich glatt erscheinen lassen möchte?

Eine der Fotoweisheiten, die in der heutigen Digitalfotografie meistens nur bei Gebrauch von lichtstarken Festbrennweiten Kokolores sind!

 

 

Aufgeräumt mit Fotoweisheiten. Fotokurse bei Frau Pudelwohl in Hamburg. Extreme Langzeitbelichtung

EXIFS:11 mm | f 24 | 732 Sek. | ISO 100

Willst Du Schärfe ohne Ende, nimm die allerkleinste Blende

Um nochmals das Nifty-Fifty zu erwähnen, die beste Abbildungsschärfe liegt bei diesem Objektiv zwischen Blende 4 und 5,6. Selbst die günstigen Zoom-Kit-Objektive werden heute so gebaut, dass diese irgendwo zwischen Blende 8 und 14 am schärfsten abbilden.

Natürlich kann man jedes Objektiv auch bis sonstwohin abblenden, manchmal bis Blende 28 oder sogar 32. Weil man es situationsbedingt manchmal eben brauchen könnte.

Wie zum Beispiel ich bei dieser Aufnahme der Elbphilharmonie-Plaza an einem gut besuchten Nachmittag. Um auch die minutenlang beinahe regungslos herumstehenden Menschenmassen mittels einer Belichtungszeit von knapp über 12 Minuten unsichtbar werden zu lassen, reichte der ND-Filter 3.0 bei größerer Blende nicht ganz aus. Ich musste, um diese lange Belichtungszeit zu ermöglichen, leider zusätzlich bis Blende 24 abblenden.

Bei diesem extremen Abblenden sinkt aber die Abbildungsleistung üblicher Objektive massiv. Und ich stehe eigentlich eher auf scharfe Bilde, die sich auch gerne in Großformaten an Wänden von Büro und Praxis oder im Wohnzimmer wiederfinden lassen.

Somit eine der Fotoweisheiten, die in ihrer Aussage wirklich der allergrößte Kokolores sind!

 

Willst du mehr Schärfe, belichte länger

Jede Verlängerung der Belichtungszeit verursacht auch mehr Bildrauschen, welches durch zufällig angeregte Elektronen infolge von Wärme oder der Grundspannung des Chips entsteht. Bildrauschen kann leider nur zu Lasten der Kantenschärfe wieder entfernt werden. Ganz egal, ob dies nun während der kameraintern möglichen ISO-Rauschoptimierung (mittels automatisch folgender 2. Aufnahme) oder bei Dir am PC in der nachträglichen Bildbearbeitung passiert.

Abgesehen davon macht die Belichtungszeit nicht die Schärfe, sondern die optimale Helligkeit im Bild. Für die Schärfe im Bild ist die Blende zuständig. Zum einen hinsichtlich gewünschter optimaler Schärfentiefe, zum anderen hat jedes Objektiv eine „Schoko-Blende“ bzw. Blendenbereich mit der/dem es die größtmögliche Abbildungsleistung erzielt.

Somit eine der Fotoweisheiten, die in ihrer Aussage leider Kokolores sind!

 

In diesem Sinne, nimm bitte nicht alles, was Du so hörst oder liest für bare Münze. Mach Dich selbst schlau, wie das alles funktioniert. Entweder mit einem guten Buch, bei einem Volkshochschulkurs … oder eben bei mir im Fotokurs 😉